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Programm

Broschüre in deutscher Sprache zum Download

Anstatt auf Plato „Crnjanski“ finded unsere Programme auf dem Stand „4 LÄNDER 1 SPRACHE“ statt Halle 2, Stand 4.

Montag, den 23.10.2017

 

11:00−12:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Kinderecke)

RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN – ein Kreativ-Workshop für Schüler der 4. und 5. Klasse

Leitung: Jasminka Petrović und Bojana Lukić

 

Durch Analyse des Verhaltens der Hauptfiguren aus dem sehr beliebten, inzwischen auch verfilmten Buch des deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren Andreas Steinhöfel (in serbischer Übersetzung im Verlag „Odiseja“ erschienen) soll die Bedeutung von Toleranz im alltäglichen Leben herausgearbeitet werden. Mit Hilfe von kreativen und interaktiven Aufgaben versetzen sich die Teilnehmer in andere hinein, um einander besser zu verstehen. Dabei geht es um Fragen wie: Was heißt es, besonders zu sein? Was macht eine glückliche Kindheit aus? In welchem Verhältnis zueinander stehen Wissen und Erfahrung? Welche Rolle spielen Freunde beim Erwachsenwerden?

 

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12:00−13:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

GEOGRAPHIE – EINMAL ANDERS – die teilnehmenden Länder stellen sich und ihre weniger bekannten Besonderheiten vor

Mit: Axel Dittmann – Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Johannes Eigner – Botschafter der Republik Österreich, Philippe Guex – Botschafter der Schweiz und Prinz Stefan von und zu Liechtenstein.

 

Moderation: Dragan Velikić

 

Wussten Sie, dass es in Deutschland an die dreihundert Brotsorten gibt, und das Oktoberfest in Wirklichkeit im September beginnt? Wussten Sie, dass das Croissant ursprünglich aus Wien kommt, oder dass es den ersten Elefanten bereits 1552 in Österreich gegeben hat? Dass Plastikfolie, Milchschokolade und Klettband von Schweizern erfunden wurden und Liechtenstein zu den weltweit führenden Herstellern von künstlichen Zähnen zählt?

All das und noch viele weitere überraschende Tatsachen über Länder, die Sie zu kennen glaubten, erfahren Sie direkt von den Botschaftern und Repräsentanten der vier deutschsprachigen Länder, in einem unterhaltsamen einstündigen Gespräch mit dem Schriftsteller und ehemaligen Botschafter der Republik Serbien in Österreich, Dragan Velikić.

 

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15:00−15:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

DRÜCKENDER TANGO – ein Gespräch mit Herta Müller

Moderation: Nebojša Barać

 

Die Schwedische Akademie hat Herta Müller als eine Schriftstellerin beschrieben, die „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Entrechteten“ zeichne. Mit ihren Schilderungen der leidvollen Geschichte der Banater Schwaben wie auch Rumäniens unter der Knute des Ceaușescu-Regimes avancierte Müller zu einer der herausragendsten zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellerinnen. Höchste Würdigung fanden ihr Weltruhm und Ansehen in der Verleihung des Nobelpreises für Literatur im Jahre 2009.

In dem halbstündigen Gespräch mit Nebojša Barać spricht Herta Müller über ihr literarisches Wirken, aber auch über die Besonderheiten, die ihre eigene Identität ausmachen, über die politische Lage einst und jetzt, über den Rucksack an Erfahrungen, der das Grundgerüst eines Großteils ihres literarischen Opus darstellt und letztlich ihre idiosynkratische und unverwechselbare literarische Sprache prägen.

 

 

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16:00−16:30 (Buchmesse, Halle 1, Plateau Crnjanski)

GOODBYE, MOSKAU – ein Gespräch mit Wladimir Kaminer

Moderation: Srđa Anđelić

 

Wladimir Kaminer ist im Kontext der zeitgenössischen deutschen Literatur eine einzigartige Erscheinung. Dem Wesen nach Nomade, mit Wohnsitz in Berlin – Ich bin kein Berliner ist der Titel seines 2007 erschienenen Buches – schreibt dieser russisch-jüdische Einwanderer, Kolumnist, Schriftsteller und DJ seit Jahren bar jeder Affektiertheit keine Fiktion, von deren Unmöglichkeit er ohnehin fest überzeugt ist, sondern zumeist urkomische Bücher, die inspiriert sind von den eigenen, freigiebig mit universeller Bedeutung versehenen Lebenserfahrungen. Sein literarischer Ansatz ist praktisch eine Blaupause unserer Zeit: bizarr, dynamisch, energisch, zuweilen neurotisch oder gar tragisch, aber immer geistreich und keineswegs frei von Hoffnung. In dem halbstündigen Gespräch enthüllt Srđa Anđelić gemeinsam mit Wladimir Kaminer die geheimen Bande zwischen Moskau und Berlin, zwischen verschiedenen Generationen russischer Einwanderer in Deutschland, zwischen Musik und Literatur, Russendisko und deutschem Swing, Fiktion und Biographie …

 

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17:30−18:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

LITERATUR IST OPPRESSIV – ein Gespräch mit Marcel Beyer

Moderation: Tamara Mitrović

 

Marcel Beyer ist einer der renommiertesten zeitgenössischen deutschen Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem durch sein Prosaschaffen. Doch gerade in seinen Gedichten entfalten sich seine minutiöse Raffinesse und seine ungeahnten sprachlichen Fähigkeiten in voller Größe. Im Gespräch mit Tamara Mitrović klärt Marcel Beyer darüber auf, weshalb er Literatur als oppressiv betrachtet, wie es ist, auf Deutsch zu schreiben, und welch stilistisch-formaler und thematischer Rahmen für ihn beim Dichten auf der einen und Verfassen von Prosa auf der anderen Seite von Interesse ist. Ferner soll die Gelegenheit genutzt werden, den einstigen Writer in Residence der Schriftsteller-Residenz von Krokodil in Belgrad nach seinen Eindrücken zu Belgrad, Serbien sowie der Region Südosteuropa zu befragen.

 

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20:00−22:00 (Jugoslawisches Dramatheater)

DIE LOGIK DES 29. FEBRUAR – ein Abend mit Herta Müller

Moderation: Michael Martens und Ivan Ivanji

Es liest: Mirjana Karanović

 

Herta Müller, Literatur-Nobelpreisträgerin von 2009, stellt sich dem Belgrader Publikum auf einem Literaturabend vor, der von dem namhaften deutschen Journalisten und Schriftsteller Michael Martens gemeinsam mit Ivan Ivanji moderiert wird.

Leben im Totalitarismus, Strategien von Flucht und Verteidigung oder zumindest zum Erhalt der mentalen wie körperlichen Unversehrtheit, die beständige Suche nach Freiheit, vor Terror ebenso wie vor beklemmender Enge, Unaufrichtigkeit und allgemeiner Paranoia – all diese Themen durchziehen das literarische Schaffen von Herta Müller, einer der berühmtesten zeitgenössischen Schriftstellerinnen der Welt.

Abgerundet wird dieser einzigartige Abend mit dem Auftritt der renommierten serbischen Schauspielerin Mirjana Karanović, die Auszüge aus übersetzten Werken von Herta Müller liest.

In Zusammenarbeit mit dem Verlag Laguna, der Herta Müllers Bücher in Serbien herausgibt, findet im Foyer des Theaters unmittelbar nach der Veranstaltung eine Signierstunde statt.

 

 

Dienstag, den 24.10.2017

 

11:00−12:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

HEIDI: GESTERN, HEUTE, FÜR IMMER – ein Kreativ-Workshop für Kinder der 2. und 3. Klasse

Leitung: Jasminka Petrović i Bojana Lukić

 

Der Kinder-Klassiker Heidi von Johanna Spyri aus der Perspektive eines Kindes von heute. Was sagt dieses vor 136 Jahren entstandene Werk den heutigen jungen Lesern? Wie vermittelt es das? Wie hat es Heidi geschafft, aktuell zu bleiben? In einer Analyse werden das Verhältnis zur Natur, der Unterschied zwischen Stadt- und Landleben, die Probleme von Waisenkindern, die Nähe zwischen Großmutter/Großvater und Enkeln, Inklusion, Lebensprioritäten und vieles mehr näher betrachtet. Die Workshop-Teilnehmer sollen durch verschiedene literarische und visuelle Inhalte aus diesem berühmten Kinderbuch zum Nachdenken angeregt werden.

 

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12:30−13:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

Unterstützung für Übersetzungen und Veröffentlichungen von literarischen Werken sowie für literarische Veranstaltungen – ein Gespräch

Mit: Angelika Salvisberg (ProHelvetia), Gerhard Kowar (KulturKontakt Austria), Hana Stojić (Traduki), Frank Baumann (Goethe-Institut)

Moderation: Mladen Vesković

 

In einer einstündigen Debatte mit Vertretern einiger der aktivsten Kulturstiftungen und –institutionen, die seit Jahren in Südosteuropa tätig sind, wirft Mladen Vesković, Berater für internationale Zusammenarbeit im Bereich Literatur im serbischen Kultur- und Informationsministerium, einige der wichtigsten Fragen auf bezüglich der literarischen Kommunikation zwischen Serbien und seinen Nachbarn mit den deutschsprachigen Ländern. Vertreter von ProHelvetia, KulturKontakt, Traduki und Goethe-Institut informieren das Publikum über die Arbeitsweise dieser Organisationen und die Mission, regelmäßig die Kommunikation zwischen den deutschsprachigen Ländern und den Ländern Südosteuropas anzuregen.

 

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14:00−14:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

ZWISCHEN IDENTITÄT UND IDENTIFIKATION – ein Gespräch mit Valentin Groebner

Mit: Igor Štiks

 

Das Buch des österreichischen Historikers und Mittelalter-Experten Valentin Groebner, Der Schein der Person – Steckbrief, Ausweis und Kontrolle im mittelalterlichen Europa (in Serbisch bei Karpos erschienen), analysiert den Beginn der modernen europäischen Geschichtsschreibung durch das Entstehen und die Entwicklung eines systematischen Erkennungswesens. Spannend und stilistisch austariert geschrieben, versehen mit einer Vielzahl anekdotischer Beispiele, geht diese Studie zurück zu den Anfängen der Ausgabe erster Pässe, Ausweisdokumente, ja auch Steckbriefe im 15. Jahrhundert und dem Entstehen einer spezifischen und verständlicherweise reduktiven Praxis „bürokratischer Authentizität“, die geschickt nachweist, dass sie zu Urbeginn möglicher-, aber nicht notwendigerweise etwas mit den konkreten Identitäten der Ausweisbesitzer zu tun hatte.

Welchen Bezug gibt es zwischen uns und unseren zu Papier gewordenen Doppelgängern, die aus rein administrativen Bedürfnissen, aber auch aus rein menschlicher Registrierfreudigkeit entstanden sind? Inwieweit sind wir als Personen vorbestimmt durch die illusorischen Phantasien unserer Bürokraten? Wurde diese Praxis im Laufe der vergangenen Jahrhunderte weiterentwickelt, und wenn ja, wie? Und schließlich, werden dort, wo Registrierung beginnt, unsere Rechte eingeschränkt und wenn ja, inwiefern? Dies sind ewig aktuelle Fragen, die dieses lehrreiche und zugleich unterhaltsame Buch aufgreift und über die auch mit seinem Autor gesprochen werden soll.

Mit Valentin Groebner spricht Igor Štiks.

 

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15:00−15:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

GROSS UND KLEIN – eine Vorstellung der Anthologie des deutschsprachigen Dramas der Gegenwart in drei Bänden

Mit: Jelena Kostić-Tomović, Bojana Denić, Drinka Gojković

Moderation: Ivan Velisavljević

 

Die Anthologie Das deutschsprachige Drama der Gegenwart in drei Bänden – veröffentlicht bei Zepter Book World – deckt den Zeitraum nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Gegenwart ab. In ihr vertreten sind einige der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker des 20. und 21. Jahrhunderts, angefangen von Bertolt Brecht, Elias Canetti, Heiner Müller oder Max Frisch über Peter Handke, Rainer Werner Fassbinder oder Thomas Bernhard, bis hin zu Elfriede Jelinek, Lukas Bärfuss oder andere Autoren, die derzeit in dieser großen polyzentrischen Sprache schreiben. Darüber, was das deutsche Drama der Gegenwart in all seiner Vielfalt unterscheidet, was seine grundlegenden thematisch-stilistischen Koordinaten sind, sowie über die Herausforderungen, die im Übersetzen von Dramatexten aus dem Deutschen ins Serbische bestehen, spricht der Moderator Ivan Velisavljević mit den drei Übersetzerinnen, die diese bemerkenswerte Ausgabe erstellt haben – Jelena Kostić-Tomović, Bojana Denić i Drinka Gojković.

 

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16:00−17:00 (Buchmesse, Halle 1, Plateau Crnjanski)

EUROPÄISCHES ALPHABET – ein Gespräch mit Karl Markus Gauß

Mit: Karl Markus Gauß und László Végel

Moderation: Ivan Ivanji

Es liest: Andrej Šepetkovski

 

Was ist Europas Terminologie?

Folgt man Karl Markus Gauß, so sind dies hauptsächlich Wörter, die von Aussiedlung, von Grenzen, von pejorativen nachträglichen Deutungen geographischer Begriffe, von der Idee des Fremden, von Nachbarn als ersten Feinden, von Nationalität und Nationalismus, von einem den eigenen Staat überhöhenden Heimatkonzept, vom Gespenst aufgezwungener Identitäten, von erzwungener Mobilität, Sprachen, Opfern, Quoten, Nomadenvölkern usw. sprechen.

All das weist darauf hin, dass gerade Europas Terminologie den permanenten Zwiespalt getreu widerspiegelt, den Zwiespalt in der Reflexion unserer Wünsche und Ängste, unserer Hoffnungen und Hoffnungslosigkeit, unseres Glaubens an die Zukunft und unserer beständigen Unsicherheit, um nicht zu sagen, unseres Zweifelns, dass es Europa vielleicht gar nicht gibt.

In diesem Teil des Programms, der sich diesem wichtigen und bedeutsamen Thema widmet, nehmen neben dem Autor selbst auch László Végel teil, mit Unterstützung und Moderation des immer wieder wunderbaren und stets jung gebliebenen Europäers Ivan Ivanji.

 

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20:00 (Polet)

BERN IST ÜBERALL – eine Performance

Mit: Christian Brantschen, Guy Krneta, Gerhard Meister, Ariane von Graffenried

 

Im Jahr 2003 fanden sich vierzehn Schweizer Schriftsteller aus unterschiedlichen Sprachregionen zu einer informellen Gruppe zusammen, die sie prompt Bern ist überall nannten. Sie vertreten die These, dass alle Weltsprachen und –dialekte gleichberechtigt sind und dass es unter ihnen keine besseren und schlechteren, offiziellen und inoffiziellen gibt („Wir fordern sprachliche Gleichberechtigung. Wir fordern die Förderung des Prinzips Überall um uns herum auf allen Ebenen). In der Zwischenzeit ist Bern ist überall zu einer der bedeutendsten Erscheinungen der Schweizer Spoken WordBewegung geworden, mit an die dreißig live-Auftritten jährlich. Auch wenn sich die Auswahl der Texte und Textkompositionen von Auftritt zu Auftritt ändert, bleiben die Hauptcharakteristika bestehen: die orale Form und der Dialekt.

An diesem, dem Wirken dieser Gruppe gewidmeten Abend werden ausgewählte Autoren und Mitglieder dieser interessanten Gruppe zu hören sein. Vier klar erkennbare Autorenstimmen und eine Harmonika – gibt es überhaupt Argumente, die schlagkräftig genug wären, um dieses einmalige literarische Event zu verpassen?

 

 

 

Mittwoch, den 25.10.2017

 

11:00−12:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Kinderecke)

GESCHICHTENSAMMLER – Buchbesprechung

Moderation: Antje Hubner und Bernd Schneider

 

Im Rahmen des Projektes „Geschichtensammler“ haben Gymnasialschüler aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Serbien gemeinsam ein Abenteuerbuch für Grundschulkinder geschrieben, die Deutsch lernen. Dieses Buch führt seine Leser auf eine spannende Reise durch drei Länder, in denen die jungen Autoren aufwachsen.

An dem Projekt haben sich elf Schulen beteiligt. Auf der Internationalen Buchmesse in Belgrad werden je zwei Autoren aus Schulen der beteiligten Länder zu Gast sein. Unter der Moderation von Antje Huber und Bernd Schneider werden sie Auszüge aus ihrem Gemeinschaftswerk lesen und so ihr Buch dem Publikum vorstellen.

 

 

 

 

 

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14:00−14:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

Frühling der Barbaren – ein Gespräch mit Jonas Lüscher

Moderation: Ana Otašević

 

In seinem ersten Roman mit dem vielsagenden Titel „Frühling der Barbaren“ beschäftigt sich Jonas Lüscher mit den Auswirkungen der globalen Finanzkrise und der spiralen Abwärtsbewegung unlängst noch stabiler Gesellschaften in Chaos und Gewalt. Die gesamte Handlung spielt im Mikrokosmos eines nordafrikanischen Urlaubsortes. Dieser kurze, gewaltige, düstere und ausgesprochen feinsinnige Roman hat zahlreiche öffentliche Diskussionen angestoßen und berührt einige unserer schlimmsten Unsicherheiten, ja Ängste.

Ist das, was für uns zivilisiertes Verhalten ist, letztlich nur unbeabsichtigte Folge finanzieller und gesellschaftlicher Stabilität?

Gleiten Gesellschaften nach dem finanziellen Zusammenbruch unausweichlich in Barbarei ab?

Welche Möglichkeiten, Rolle, ja Verpflichtung hat Literatur, zu einem besseren Verständnis der Gegenwart beizutragen?

Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen versucht Ana Otašević in ihrem halbstündigen Gespräch mit dem Autor Jonas Lüscher zu bekommen.

 

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15:00−15:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

OH SCHIMMI – ein Gespräch mit Teresa Präauer

Moderation: Vladimir Arsenić

 

Teresa Präauers Prosa wie auch illustratorisches Wirken sind gleichermaßen geprägt durch Staunen. Nach den Romanen Johnny und Jean (2014) und Für den Herrscher aus Übersee (2012), für die sie mit dem Literaturpreis Aspekte für das beste Prosa-Debüt in deutscher Sprache ausgezeichnet wurde, veröffentlichte Teresa Präauer 2016 den Roman Oh Schimmi, ein Buch über das Verhältnis zwischen der Abstammung des Menschen vom Affen und modernen Technologien, unter denen, mit denen und in denen wir heutzutage leben. Über die Frage, wie weit wir uns von unseren Wurzeln und Urquellen entfernt haben und ob wir uns unter anderen Umständen zu besseren Menschen entwickelt hätten als wir es heute sind, über ihr literarisches Schaffen, aber auch über ihre Illustrationen, die Vorzüge des Wortes gegenüber dem Bild und umgekehrt sowie über viele weitere Fragen spricht Vladimir Arsenić mit Teresa Präauer.

 

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16:00−17:00 (Buchmesse, Halle 1, Plateau Crnjanski)

IN WAS FÜR EINER WELT LEBEN WIR EIGENTLICH? – eine Debatte mit den Balkan-Korrespondenten deutschsprachiger Medien über die aktuelle Lage in der Region, in Europa und der Welt

Mit: Michael Martens (FAZ), Andreas Ernst (NZZ), Gregor Mayer (Profil)

Moderation: Svetlana Lukić

 

Die bekannte Journalistin des Belgrader Online-Portals Peščanik Svetlana Lukić spricht mit namhaften Balkan-Korrespondenten über brandaktuelle Themen. Die gegenwärtige politische Lage im Südosten Europas, die Bedeutung dieser Region im Rahmen der gegenwärtigen europäischen Entwicklungen, der EU-Integrationsprozess, das europaweite Erstarken der Rechten als Ergebnis der Weltwirtschaftskrise, Brexit und seine mehr oder minder sichtbaren Folgen, die europäische Identitätskrise, Migrationsbewegungen vom Nahen Osten und die sogenannte Balkan-Route in Richtung der reicheren Länder unseres Kontinents, die Bedeutung der Schaffung und Erhaltung sogenannter „Stabilokratien“ als Garant für einen wie auch immer gearteten Frieden und Stabilität in den ewig unruhigen europäischen Randgebieten, unter denen der Balkan, das sprichwörtliche „Pulverfass“ Europas, möglicherweise weiterhin zu den sensibelsten Regionen gehört – all das sind Themen, die in diesem spannenden und dynamischen Gespräch aufgegriffen werden.

Es ist also an der Zeit, den Blick von der Literatur ein wenig abschweifen zu lassen in die raue Wirklichkeit und durch eine lebhafte Debatte dieser vier bedeutenden europäischen Journalisten etwas mitzunehmen über die Zeit und den Ort, die uns vorgegeben sind, um in ihnen das eigene Leben zu fristen.

 

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20:00 (Polet)

BERLIN BABYLON / BELGRAD BABYLON Wie kann man mit Hilfe eines Kriminalromans die eigene Geschichte begreifen – ein Gespräch

Mit: Volker Kutscher und Jelena Volić-Hellbusch

Es liest: Andrej Šepetkovski

 

Dem aufregenden Berlin der Weimarer Zeit, jenem Moloch, jener pulsierenden Großstadt und wahrscheinlich amerikanischsten aller Städte der Zwischenkriegsjahre hat Volker Kutscher erfolgreich sechs weitere Folgen seiner Krimi-Serie über den Berliner Kriminalinspektor Gereon Rath gewidmet und somit das ständig wachsende Kunstdenkmal weiter ausgebaut, das Kunstdenkmal für eine Stadt, die sich hätte zu einer der spannendsten europäischen Hauptstädte entwickeln können, und doch recht schnell eingeknickt ist angesichts der zweifelhaften Versprechungen der Nazi-Ideologie von der reinen Rasse und dem Lebensraum und somit sich einer ganz neuen und weitaus düsteren Ära Tür und Tor geöffnet hat, deren Entwicklung und Zusammenbruch uns nur zu gut bekannt ist.

Im Gespräch mit dem Autor versucht Jelena Volić-Hellbusch, die in ihrer Arbeit mit ähnlichen Themen befasst ist, zu enträtseln, was es heißt, für und über eine Stadt zu schreiben, ob und wenn ja, inwiefern die richtig Wahl der Bühne entscheidend ist für das Genre Krimiroman, ob und wenn ja, inwiefern und wie kommuniziert Kutschers Literatur mit den wichtigsten künstlerischen Texten Berlins der Weimarer Zeit, wie dem Dadaismus oder Expressionismus und schließlich plant Volker Kutscher möglicherweise weitere Fortsetzungen seiner außerordentlich erfolgreichen Serie?

 

 

 

 

 

Donnerstag, den 26.10.2017

 

11:00−12:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

DIE GESCHICHTE VOM KLEINEN MAULWURF, DER WISSEN WOLLTE, WER IHM AUF DEN KOPF GEMACHT HAT – ein Kreativ-Workshop für Schüler der Designschule Belgrad

Leitung: Fachlehrerinnen für Textildesign der Designschule Belgrad

 

Der bekannte deutsche Autor und Illustrator Wolf Elbruch ist diesjähriger Preisträger der weltweit größten Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur Astrid Lindgren Memorial Award (ALMA). Nachdem die Teilnehmer zunächst mehr über seine Werke erfahren haben, bekommen sie die Aufgabe, Puppen zu den handelnden Figuren aus seinen Bilderbüchern zu basteln.

 

 

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14:00−14:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

DER VERSCHLOSSENE RAUM – ein Gespräch mit Jan Wagner

Moderation: Ivan Milenković

 

Der Dichter Jan Wagner ist diesjähriger Georg-Büchner-Preisträger, einer der wichtigsten Literaturpreise in deutscher Sprache. „Seine Gedichte verbinden spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz“, hieß es anlässlich der Verleihung dieses bedeutenden Preises. „Obgleich im Dialog mit großen lyrischen Traditionen entstanden, sind sie doch ganz und gar gegenwärtig.“

Gibt es überhaupt Poesie außerhalb des fast ausschließlich Lyrikern und dem ein oder anderen Literaturkritiker vorbehaltenen verschlossenen Raumes? Für wen schreibt ein Lyriker heutzutage? Steht er, und wenn ja – wie, mit der Wirklichkeit in Kommunikation? Wünscht zeitgenössische Lyrik das überhaupt? All das sind nur einige der Fragen, die in dem halbstündigen Gespräch von Ivan Milenković mit einem der erfolgreichsten und einflussreichsten deutschen Lyriker der Gegenwart Jan Wagner angesprochen werden.

 

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15:00−15:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

EIN UNVOLLENDETER FALL – ein Gespräch mit Volker Kutscher

Moderation: Ivan Velisavljević

 

Volker Kutscher ist einer der bekanntesten deutschen Krimi-Autoren. Seine sechsteilige Serie über den Berliner Kriminalinspektor Gereon Rath zeichnet sich durch eine hybride Kombination von historischem Ambiente – das goldene Berlin der Weimarer Zeit – und der Struktur eines klassischen Krimi noir aus. Spannend und beunruhigend zugleich faszinieren Kutschers Romane sowohl durch intrigante Verwicklungen und eine dem Genre entsprechend gut gewählten Dosis an Spannung als auch evokativen Beschreibungen einer aufstrebenden Stadt aus einer fast vergessenen Zeit, die mit dem Machtantritt Adolf Hitlers und der Nazis 1933 brutal beendet wurde. Inwieweit wurden Genrekonventionen bereichert oder aber gestört durch diese nicht alltägliche Hybridität? Inwiefern ist die deutsche Leserschaft an Genreschaffen in historischem Umfeld interessiert? Auf diese und ähnliche Fragen wird der Autor dieser monumentalen Berlin-Krimiserie höchstpersönlich in einem intensiven halbstündigen Gespräch mit Ivan Velisavljević Rede und Antwort stehen.

 

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16:00−17:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

Wer sagt, wir träumen nur in einer Sprache?“ – eine Debatte über Mehrsprachigkeit in der Literatur

Mit: Arno Camenisch, Jonathan Huston

Moderation: Paul Gruber

 

Dass man in einer anderen Sprache heimisch werden oder gar brillieren kann, haben viele Schriftsteller im Laufe der Literaturgeschichte unter Beweis gestellt. Von der sprichwörtlichen Zweisprachigkeit des Polen Joseph Conrad, der solche Werke der englischen Literatur wie Lord Jim oder Herz der Finsternis geschrieben hat, über zeitgenössischere Autoren, die ihre Muttersprache hinter sich ließen und wahre Meister ihres Fachs in erst im Nachhinein erlernten Sprachen wurden (Aleksandar Hemon, Saša Stanišić, Velibor Čolić, drei aus Bosnien und Herzegowina stammende Schriftsteller, zum Beispiel, die gleichermaßen erfolgreich auf Englisch, Deutsch bzw. Französisch schreiben) bis hin zu weitaus komplexeren Formen von Mehrsprachigkeit, wie dem literarischen Schaffen in hybriden Dialekten, Piggin-English und Jargon. All das weist darauf hin, dass Mehrsprachigkeit eine der wichtigsten Merkmale unserer heutigen Zeit ist, und dass die angeblich organische Verbindung zwischen Schriftsteller und Sprache gar nicht so „natürlich“ ist, wie es scheinen mag. Gibt es bessere Gäste für eine solche Debatte als den Schweizer Schriftsteller Arno Camenisch, der durch die freie Kombination verschiedener Register des literarischen Ausdrucks zu einer Einheit auf Rätoromanisch und einem Schweizer Dialekt des Deutschen ebenso schreibt wie auf Deutsch, und Jonathan Huston, ein nach Liechtenstein übersiedelter Amerikaner, der auf Deutsch schreibend sich zu einem der erfolgreichsten zeitgenössischen Schriftsteller Liechtensteins etabliert hat? Und gibt es einen besseren Moderator zu diesem Thema als den aus Österreich stammenden Deutschlektor an der Universität in Novi Sad – Paul Gruber? Seien Sie mit dabei und erfahren Sie, ob wir wirklich nur in einer Sprache träumen.

 

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20:00 (Kulturzentrum der Stadt Beograd, Galerie Artget)

KONVERSATIONEN – ein Gesprächsreigen darüber, wie gut wir uns kennen

Mit: Karin Peschka – Jelena Lengold; Michael Martens – Ivan Lovrenović; Jan Wagner – Dubravka Đurić

Moderation: Paul Gruber

 

Um zu prüfen, wie beständig die sozialen, aber auch kulturellen Beziehungen zwischen den deutschsprachigen Ländern und den Ländern des südöstlichen Balkans sind, die gleichermaßen durch polyzentrische Sprachen und kulturelle Nähe miteinander verbunden sind, die sie mit ihrem unmittelbaren Umfeld teilen, haben wir uns dazu entschlossen, bekannte Schriftsteller, Journalisten, Kolumnisten, Lyriker und Übersetzer aus diesen Ländern zu bitten, in unterhaltsam gewählten Paaren darüber zu sprechen, was sie alles wissen oder nicht wissen über das alltägliche Leben, die kulturelle Szene, das politische Umfeld, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunftsperspektiven der Länder, aus denen ihre Gesprächspartner kommen. Wie gut kennst Du mich, ist eine Frage, die heutzutage überflüssig erscheint, da jeder Fakt leicht in ein-zwei Sekunden im Internet zu finden ist, und man zumindest vorübergehend und auf den ersten Blick informiert erscheinen kann. Wir jedoch glauben an die Macht und das Bedürfnis von Schriftstellern, einen Schritt weiter und tiefer zu gehen. Daher lassen Sie sich ein auf einen unterhaltsamen, interessanten, bisweilen auch schrillen Schlagabtausch, bei dem es um Fakten wie auch um vorgefertigte Meinungen geht. Dass es bei jedem Match auch wirklich fair zugeht und es in einer würdevollen Atmosphäre der gegenseitigen Achtung des Gegners ausgetragen wird, dafür sorgt in der Rolle des Conférenciers, Moderators und Schiedsrichters kein anderer als der aus Österreich stammende Deutschlektor an der Universität in Novi Sad – Paul Gruber.

 

Freitag, den 27.10.2017

 

11:00−12:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Kinderecke)

MOND AUS! – ein Vortrag für Vorschüler

Mit: Dana Grigorcea

 

Auf der Grundlage ihres Buches Mond aus! hat die schweizerische Autorin rumänischer Herkunft Dana Grigorcea einen interessanten Vortrag für Vorschulkinder vorbereitet. In Wort und Bild können sie die Erlebnisse eines kleinen Wolfes verfolgen, der in einer Vollmondnacht als einziger unter den Tieren des Waldes nicht einschlafen kann. Auf eine Art, wie sie nur Meistern der Erzählkunst beherrschen, zeichnet Dana Grigorcea die lebendige Welt einer modernen Fabel. Mond aus! – das erste Bilderbuch der Autorin – wird durch stimmungsvolle Illustrationen von Anna Luchs untermalt. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein wunderbares Buch, das die jüngsten Leser sofort in seinen Bann zieht.

 

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12.15−13.00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Kinderecke)

ZUCKERSCHLECKEN – Buchvorstellung, Herausgeber ist die Deutsche Schule Belgrad

Moderation: Andreas Roth

Es lesen: Schüler der Deutschen Schule Belgrad

 

Reli Alfandari Pardo, eine Jüdin aus Belgrad, die die Kriegsjahre in Belgrad in einer kleinen Speisekammer versteckt überlebte, schrieb auf Französisch ihre Geschichte, die ergreifende Geschichte der serbischen Anne Frank, die als einzige ihrer Familie die schweren Kriegsjahre überlebte. Dieses Buch wurde 2005 in serbischer Sprache veröffentlicht und 2014 von Schülern der Deutschen Schule Belgrad ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht. Über diese Erfahrung, aber auch über das Buch selbst, werden uns die Schüler und deren Lehrer berichten.

 

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14:00−14:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

DAS PRIMÄRE GEFÜHL DER SCHULDLOSIGKEIT – ein Gespräch mit Dana Grigorcea

Moderation: Biljana Pajić

 

Dana Grigorcea ist neben Herta Müller eine weitere Autorin rumänischer Herkunft, die – inzwischen mit Schweizer Pass – in der deutschsprachigen Literatur unterwegs ist. Ihr erster Roman, Baba Rada, geschrieben im Stil des magischen Realismus, handelt von der burlesken Atmosphäre eines „neuentstehenden Teils von Europa“, des rumänischen Donau-Deltas, wo sich Mythen mit den bizarren Träumen und Träumereien der lebendig geschilderten Protagonisten vermischen, während ihr zweiter Roman Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit die Rückkehr der Heldin aus Zürich in ihre Heimatstadt Bukarest und ihre Konfrontation mit den Geistern der Vergangenheit thematisiert. Hier wird einmal mehr die These bekräftigt, dass Schriftsteller fast unvermeidlich auch Botschafter sind, insbesondere wenn es Autoren sind, die in doppelter Hinsicht literarisch verwertbare Erfahrungen haben, und die – um das Ganze noch spannender zu machen – aus „exotischen“ Ländern und Gegenden kommen, die dem Leser erst noch erschlossen werden müssen. Inwiefern ist dieser Umstand ein Vorteil und inwieweit eine Last? Kann ein Schriftsteller oder eine Schriftstellerin mit ungewöhnlichem Nachnamen und Herkunftsland auch irgendetwas anderes thematisieren als die exotischen Gegebenheiten ihrer Herkunft, ohne dass dies zu Lasten der Auflagenstärke geht? Welche Stellung hat demnach die Autorin im Hinblick auf die deutschsprachige Literatur einerseits und die rumänische Literatur andererseits? Und schreibt sie auch in ihrer Muttersprache? Zumindest einige dieser Fragen wird Biljana Pajić in dem halbstündigen Gespräch mit der bekannten und mehrfach preisgekrönten schweizerischen Autorin rumänischer Herkunft, Dana Grigorcea, versuchen zu klären.

 

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15:00−15:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

PETER HOLTZ WILL, DASS ALLE GLÜCKLICH SIND – ein Gespräch mit Ingo Schulze

Moderation: Igor Štiks

 

Angefangen von seinem ersten Buch, mit dem er zum literarischen Star avancierte und in dem Ingo Schulze unter dem vieldeutigen Titel 33 Augenblicke des Glücks: Geschichten aus Sankt Petersburg das nach der Implosion der Sowjetunion entstandene, nicht sonderlich glückliche Vakuum beschreibt, hat sich der Autor in seiner nun bereits über zwanzig Jahre währenden Karriere als Schriftsteller zahlreiche Male, mit mehr oder weniger ironischem Unterton, mit diesem ungewöhnlichen und komplizierten Wort beschäftigt: Glück. Zu diesem Thema kehrt er auch in seinem neuesten Roman zurück, Peter Holtz – Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst, mit dem er für den diesjährigen Deutschen Buchpreis nominiert ist. Peter Holtz, ein wahrer Held unserer Zeit, wird vom Waisenkind zum Millionär und träumt vom Glück für alle. Doch der Lauf der Welt widerspricht aller Logik und das Glück, das Holtz, wie es zunächst scheint, durch die Anhäufung materieller Güter erlangt hat, entrinnt ihm auf eine Weise, die er sich nie hätte träumen lassen. Wie wichtig war also Glück im Kommunismus, wie wichtig ist es im liberalen Kapitalismus und wie wichtig in der Literatur? Begegnet man dem Glück nur in dessen Umkehrung, also, wenn es nicht existiert?

 

Hören wir, was uns einer der bedeutendsten modernen deutschen Autoren – Ingo Schulze – im Gespräch mit Igor Štiks dazu zu sagen hat.

 

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16:00−17:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

EIN ANDERES EUROPA? – eine Debatte über mögliche Modalitäten der europäischen Gegenwart und Zukunft

Mit: Jörg Bernig, Vladislav Bajac

Moderation: Norbert Beckman-Dierkes

 

Handelt es sich hier um ein unerreichbares Ideal oder einfach nur um einen Kontinent? Sollen wir uns fragen, was Europa für uns tun kann oder was wir für Europa tun können? Hört Europa dort auf, wo die Konturen von Romanik, Gotik und Barock verschwinden? Gibt es ein oder vielleicht sogar mehrere Europas? Kann man es in den Papphütten der Romasiedlungen finden? In den ärmlichen Arbeiter- oder Flüchtlingssiedlungen? In den Zelten der Flüchtlingscamps? In den Armenhäusern, Altenheimen und Armenküchen? Nimmt es an Bürgerkriegen teil, an blutigen Auseinandersetzungen, ethnischer Säuberung? Ist Europa auch dort, wo Milch und Honig nicht fließen? Geht es hier um ein pulsierendes, lebendiges, niemals fertiges Gebilde oder eine perfekte und fertige Statue aus Marmor?

 

Über all diese Widersprüchlichkeiten unserer gemeinsamen europäischen Heimat, mit denen wir fast täglich konfrontiert sind, sprechen unter der Moderation von Norbert Beckmann-Dierkes, dem Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Belgrad, zwei Autoren unterschiedlicher Poetik, die jedoch verbunden sind durch ein ähnliches Gefühl der Zugehörigkeit zum virtuellen, intellektuellen Kreis Zentraleuropas, der deutsche Autor Jörg Bernig und der renommierte serbische Autor und Herausgeber Vladislav Bajac.

 

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20:00 (Kulturzentrum Parobrod)

BORN IN THE GDR oder Partei, Stasi & Co. – eine Debatte über die Realitäten des ehemaligen Ostdeutschland

Mit: Lutz Rathenow, Ingo Schulze

Moderation: Andrej Ivanji

Es liest: Andrej Šepetkovski

 

Das Verhältnis zum Leben in der DDR reduziert sich heute auf zwei fast gleichermaßen einseitige Sichtweisen. Die eine ist unter der Bezeichnung Ostalgie bekannt. Es ist eine erwartungsgemäß leichtfertige, unverantwortliche, ja fast durch Lagerfeuerromantik verklärte Sicht auf die Vergangenheit, die fast ausschließlich aus selektiven Erinnerungen an den Gemeinschaftssinn besteht, die künstlich erhaltene volle Beschäftigungsrate, das vielleicht schlechte, aber zumindest kostenlose Gesundheits- und Schulwesen und all die billigen Autos, die Kleidung und sonstigen drittklassigen Produkte der kommunistischen Industrie in der sowjetischen Einflusssphäre, berührend unschuldig und charmant in all ihrer der Herstellung und Technik geschuldeten Unansehnlichkeit.

 

Eine andere Strömung, mit Hang zu einem weitaus düstereren Blick auf die kommunistische Vergangenheit, die sich der hartnäckigen Kritik eines für immer gescheiterten Zeitalters verschrieben hat, beschreibt die Realität „hinter dem Eisernen Vorhang“ weitaus bedrückender. Unablässig, praktisch Tag und Nacht, waren die Bürger einer Orwellschen Kontrolle sowie der permanenten ideologischen Manipulation ausgesetzt, die die staatlichen Aufsichts- und Kontrollinstanzen, wie die Staatssicherheit, die Medien, das Bildungssystem und die allmächtigen Parteiapparate mit aller Macht durchsetzten.

 

Welches dieser beiden Bilder zutreffender ist und wie das Leben in Ostdeutschland vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum „Mauerfall“ 1989 tatsächlich aussah, erfahren wir mit Unterstützung des Moderators Andrej Ivanji von zwei eloquenten Mitgestaltern dieser heute bereits seit langem vergangenen Zeit – den aus der ehemaligen DDR stammenden Schriftstellern Lutz Rathenow und Ingo Schulze.

 

 

 

Samstag, den 28.10.2017

 

11:00−12:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

GAMER – ein Kreativ-Workshop für Schüler der 6. und 7. Klasse

Mit: Oliver Uschmann, Autor

Moderation: Ana Pejović, Jasminka Petrović

 

Im direkten Gespräch mit Oliver Uschmann und mittels Video-Begleitmaterial lernen die Teilnehmer den Autor und sein Werk kennen. Folgende Themen interessieren hier: Wie finden sich Eltern im neuen Wertesystem zurecht? Wie überlebt die Familie in den wirtschaftlichen Gegebenheiten der heutigen Zeit? Wie findet man die Balance zwischen Natur und Computer, Tradition und Modernisierung? Was sind die guten und was die schlechten Seiten der digitalen Technologie? Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Videospielen und dem wahren Leben? Im Anschluss folgt eine kreative Aufgabe nach Vorbild des Videospiels im Roman.

 

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14:00−14:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

DIE GESPENSTER UNSERER ZEIT – ein Gespräch mit Kathrin Röggla

Moderation: Biljana Srbljanović

 

Kathrin Röggla gehört zu den gesellschaftlich engagiertesten Prosa- und Theaterautorinnen in Österreich. Die in Berlin lebende mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin spielt und experimentiert geschickt mit der Form und lässt dennoch in ihrem Werk zugleich politische und polemische Töne überwiegen. Kathrin Röggla kritisiert oft die modernen Medien und deren komplexe Rolle in modernen Gesellschaften, sie provoziert mit ihren Dramen und ihrer Prosa öffentliche Diskussionen und stößt wichtige gesellschaftliche Themen an. Im Gespräch mit Biljana Srbljanović, mit der sie eine gewisse Verwandtschaft und der Glaube an die literarische und dramatische Schaffenskraft als potenziell ideale Interaktion von Abstraktem und Konkretem verbindet, wird uns Kathrin Röggla mit den ihrer Meinung nach größten Gespenstern unserer Zeit konfrontieren und erklären, wie man mit ihnen fertig wird.

 

 

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15:00−15:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

SUPERHELDINNEN – ein Gespräch mit Barbi Marković

Moderation: Maria Glišić

 

Die ungewöhnliche Schriftstellerkarriere von Barbi Marković begann vor über zehn Jahren in Belgrad, als sie ihren Kurzroman „Ausgehen“ veröffentlichte, eine provokative und mehrdeutige Paraphrase der Novelle Gehen von Thomas Bernhard. Nach ihrem Umzug nach Wien setzte Barbi Marković das Schreiben fort und veröffentlichte 2016 den Roman Superheldinnen, der sie als eine der jungen Hoffnungen der neuen österreichischen Literatur etablierte.

Über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden Romane, über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der serbischen und österreichischen Literaturszene, über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des serbischen und deutschen Sprachraums, über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede eines einheitlichen literarischen Stils in serbischer und deutscher Sprache spricht die Übersetzerin des neuesten Buchs von Barbi Marković ins Serbische, Maria Glišić, mit der Autorin.

 

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16:00−17:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

ILLEGALE HELFER – eine Debatte über Kunst, Engagement und Aktivismus

Mit: Maxi Obexer und Igor Čoko

Moderation: Ana Pejović

 

Zwischen Aktivismus und künstlerischem Schaffen erstreckt sich das weite Feld der menschlichen Empathie. Viele Schriftsteller, Regisseure, Fotografen, visuelle Künstler stellen ihr künstlerisches Schaffen hintan, konfrontiert mit dem Bedürfnis, einem anderen menschlichen Wesen zu helfen. Ist es dennoch möglich, diese beiden Bestrebungen zu verbinden? Ist es möglich, in der Kunst engagiert zu sein, ohne dies auf Kosten der Kunst zu tun? Ist es möglich, aktivistische Kunst zu schaffen oder bleibt diese unumstößlich im Bereich einer gewöhnlichen Streitschrift? Über all dies und über viele weitere Fragen zum Thema Kunst, Engagement, Aktivismus und menschliche Empathie sprechen mit Ana Pejović die deutsche Schriftstellerin und Aktivistin Maxi Obexer und der Fotograf Igor Čoko.

 

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20:00 (Zentrum für kulturelle Dekontamination)

SPRECHEN SIE LIECHTENSTEINISCH? – eine Debatte über gemeinsame Sprache und Literatur

Mit: Kathrin Röggla, Ruth Schweikert und Jens Dittmar

Moderation: Vladimir Arsenijević

 

Ist Literatur eine nationale Angelegenheit? Gibt es literarische Nationalmannschaften? Oder ergeben sich Verwandtschaften in der Literatur doch nicht aus einem Auszählen von roten Blutkörperchen oder Identitätsphantasmen über die Zugehörigkeit zu nationalen Gemeinschaften, sondern vielmehr aus einer ähnlichen Sensibilität und anderen Gemeinsamkeiten, von denen die sprachliche wahrscheinlich die intensivste ist? Impliziert eine Sprache gleichzeitig auch eine Literatur? Ist es eine Frage der Entscheidung? Im Gespräch mit dem spannenden Titel „Sprechen Sie Liechtensteinisch?“ werden wir einige Autoren aus Österreich, Liechtenstein und der Schweiz, mit unterschiedlicher Nationalität, aber mit einer Sprache – der deutschen – bitten, uns über ihre aus dieser spezifischen Gemengelage erwachsenden Erfahrungen zu berichten und einige der Vorzüge und Nachteile des literarischen Schaffens in einer großen und weitverbreiteten Sprache, dem Deutschen, aufzuzählen.

 

 

 

Sonntag, den 29.10.2017.

 

11:00−12:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

WAS IST WIRKLICH WICHTIG FÜR DICH? – ein Kreativ-Workshop für Schüler der 8. und 9. Klasse

Moderation: Dragana Ćećez-Iljukić

 

Inspiriert von dem Jugendroman Tschick von Wolfgang Herrndorf (in Serbien veröffentlicht bei Laguna) wird die Frage gestellt Was ist wirklich wichtig für Dich? und eine Diskussion über die wichtige und sensible Zeit des Heranwachsens junger Menschen angeregt. Durch die Kombination von Techniken diverser Kunstrichtungen wird ein Raum geschaffen, in dem die Teilnehmer, inspiriert durch den Ausgangstext und Dank der Leseerfahrung, ihr kreatives Potential nutzen können, um ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen.

 

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14:00−14:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

WIDERSTAND DER PHANTASIE – ein Gespräch mit Melinda Nadj Abonji

Moderation: Saša Ilić

 

Melinda Nadj Abonji gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Autorinnen der Schweiz. Sie stammt aus der Wojwodina, ist ungarischer Herkunft und passt somit nicht in die zahlreichen bestehenden europäischen Identitäten. Das Leben im scheinbaren Identitätsvakuum bestimmt stark die Grundzüge ihrer Literatur. Oder zumindest die Sensibilität, die sie antreibt. Wie inklusiv ist die zeitgenössische Literaturszene in der Schweiz? Gibt es dort ausreichend Raum für Zugezogene und Outsider? Ist es ein Fluch oder, im Gegenteil, ein Segen für eine Schriftstellerin, sich im Vakuum zwischen diversen Identitätsmustern frei treiben lassen und ihnen ganz nach freiem Willen angehören zu können, oder auch nicht?

 

Saša Ilić wird im Gespräch mit Melinda Nadj Abonji eine Brücke bauen zwischen der hiesigen Region und der Schweiz und nachspüren, auf welche Art sich die schneebedeckten Bergspitzen der Alpen und die grünbraune Endlosigkeit der Pannonischen Tiefebene berühren und ob sie den gleichen Herzschlag haben.

 

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15:00−15:30 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE, Das Blaue Sofa)

FRAGEN VON ZENTRUM UND PERIPHERIE – ein Gespräch mit Jens Dittmar

Moderation: Vladimir Tabašević

 

Liechtensteinische Literatur ist für den Großteil der serbischen Leserschaft eine große Unbekannte. Wahrscheinlich in gleichem Maße, in der die Literatur dieser Region dem liechtensteinischen Publikum fremd ist.

 

Dennoch ist das, was die Prosa von Jens Dittmar und ebenso von Vladimir Tabašević ausmacht, bestechende Gelehrsamkeit, Eloquenz und ein spezifischer lyrischer Schwung, der jedoch keineswegs das rein physische, bis ins Mark dringende, unmittelbare und äußerst intime Gefühl schmälert, das ihre Prosawerke wecken. Vladimir Tabašević, der unmittelbar vor der Buchmesse einen Monat lang an einem Residenzprogramm in Liechtenstein teilnahm, wird mit Jens Dittmar über Strategien sprechen, wie man die Beschränkungen, die die Zugehörigkeit zur Kultur eines kleinen Landes mit sich bringen, überwindet, und darüber, inwieweit die periphere Lage eines Schriftstellers hartes Los oder Vorteil für die Literaturschaffenden der Gegenwart ist.

 

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16:00−17:00 (Buchmesse, Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

CAFÉ EUROPA – ein Gespräch über die Überwindung von Grenzen und des Heimisch-Werdens in der Fremde

Mit: Melinda Nadj Abonji, Barbi Marković

Moderation: Mića Vujičić

 

Sowohl Melinda Nadj Abonji als auch Barbi Marković zeugen, jede auf ihre eigene Art, jedoch beide gleichermaßen glaubwürdig, mit ihren persönlichen Erfahrungen und mit ihren Werken davon, dass es möglich ist, europäische Grenzen durch die Kraft der eigenen Kreativität zu errichten und niederzureißen. Beide in den hiesigen Breitengraden (wie man hierzulande euphemistisch sagt) geboren und aufgewachsen, etabliert in der schweizerischen bzw. österreichischen Literatur, die sie durch unerwartete und frische feinfühlige, literarische Neuerungen, aber auch durch eine vollkommen neue Sichtweise bereichern. In entspannter Atmosphäre sprechen die beiden hochkarätigen Autorinnen im Gespräch mit Mića Vujičić über sich im Kontext ihrer Sonderstellung, über die Verdoppelung oder sogar Multiplizierung von Identität und darüber, inwiefern sich das, was wir wirklich sind, im Auge des Betrachters wiederfindet.

ANSCHRIFTEN

Belgrader Messe

(Halle 1, Plateau Crnjanski; Halle 2, Stand 4 LÄNDER 1 SPRACHE)

Adresse: Bulevar vojvode Mišića 14, Belgrad, Serbien

Telefon: +381 11 2655-555

e-Mail: info@sajam.rs

Jugoslawisches Dramatheater
Jugoslovensko dramsko pozorište

Adresse: Kralja Milana 50, Belgrad, Serbien

Telefon: +381 11 3061-957 (Kasse)

e-Mail: jdpblagajna@jdp.rs

http://www.jdp.rs

Polet art district

Adresse: Cetinjska 15, Belgrad, Serbien

Telefon: +381 62 550-868

e-Mail: galerijapolet@gmail.com

https://www.facebook.com/polet.art.district/

Belgrader Kulturzentrum

(Galerija Artget)

Adresse: Trg Republike 5, Belgrad, Serbien

Telefon: +381 11 262 1469

UK Parobrod

Adresse: Kapetan Mišina 6a, Belgrad, Serbien

Telefon: + 381 (0)11 414 2163

http://www.ukparobrod.rs

Zentrum für kulturelle Dekontamination (CZKD)

Adresse: Birčaninova 21, Belgrad, Serbien

Telefon: + 381 (0)11 361 0270

e-Mail: info@czkd.org

http://www.czkd.org

 

 

 

 

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